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Nicht mal der Tod ist umsonst


Bestattungskosten und Transparenz

Über Preise bei Bestattungen zu sprechen löst oftmals Unbehagen aus, weil Menschen befürchten, in einer verwundbaren Situation über den Tisch gezogen zu werden oder es manchen pietätlos vorkommt, angesichts eines Trauerfalls die Kosten in den Blick zu nehmen. Gleichzeitig schrecken viele vor frühzeitiger Beschäftigung mit dem Tod und einer Bestattungsvorsorge zurück. 

Sätze wie „Nicht mal der Tod ist umsonst“ oder „Da wird mit dem Leiden von Menschen Geld gemacht“ lassen sichtbar werden, dass der Tod von wenigen in unserer Gesellschaft als wichtiger und berechtigter Teil von Leben verstanden wird.

Wieviel selbstverständlicher erscheint es, dass Taufen, Einschulungen, Geburtstagsfeiern, Jubiläen und Hochzeiten viel Geld kosten. Hohe Bestattungskosten hingegen befremden, haben sogar schnell den Ruf von „Abzocke“.


„Davon habe ich ja nichts mehr, wenn ich tot bin.“

Eine ebenfalls häufig aufkommende Frage ist, was jetzt überhaupt noch nötig ist. Was hat ein Verstorbener von einem sorgsamen Bestattungsweg? Einer Feier?

Bei allen Lebensfesten geht es darum, seinen Platz in der Gemeinschaft zu feiern und dadurch zu bestätigen. Eine Verknüpfung, die mit dem Tod nicht erlischt. Eine gute Bestattung und ein wohlbegleitetes Abschiednehmen sind für die An- und Zugehörigen daher regelrecht „notwendig“, ihre Not wendend also, um sich ihrerseits erneut dem Leben öffnen zu können.


Bestattung ist mehr als eine Trauerfeier

Eine Trauerfeier oder Beisetzung ist der nach außen hin sichtbare Teil der Bestattungsarbeit. Was aber genau geschieht mit einem verstorbenen Menschen und vor allem: wie geschieht es? Respektvoll? Menschlich? Beginnend bei der Abholung vom Sterbeort über die Totenfürsorge und -aufbewahrung bis zur Feuer- oder Erdbestattung.

In Presse und Fernsehen gibt es nicht wenige Beispiele für Skandale und unschöne Einblicke hinter die Kulissen – zwölf Särge in einem Transporter, obszöne Fotos bei der Versorgung von Toten, Klau von Schmuck und Zahngold oder schlichtweg abgerechnete Leistungen, die nicht ausgeführt wurden.

An diesem Punkt darf, ja muss allerdings auch die Frage gestellt werden: Wie viele dieser Missstände geschehen, weil dem Umgang mit Tod und Toten gesellschaftlich eben kein hoher Stellenwert zugemessen wird? Weil der geringe Stellenwert des Lebensendes dazu führt, Bestattung immer mehr als Entsorgung zu verstehen?

Das bleibt nicht ohne Folgen für das Bestattungswesen: Bei der Auswahl von Personal für Überführungen und Totenversorgung geht es mehr um Körperkraft und psychisches Verdrängungsvermögen als um empathische, soziale und fürsorgliche Fähigkeiten. Der Fokus im möglichst knappen Angehörigengespräch liegt auf Sargauswahl und Organisatorischem. Für die Totenversorgung ist oft dermaßen wenig Zeit und Personal vorgesehen, dass ein achtsamer Umgang kaum möglich erscheint.


Was also ist eine Bestattung und ein guter Abschied wert? 

Achtsames Behandeln der Verstorbenen, hohe Transparenz der Bestattungsschritte für die Angehörigen und Möglichkeiten der Beteiligung sowie zugewandte Trauerbegleitung hängen von drei entscheidenden und kostbaren Ressourcen ab: Zeit, Raum und Mensch. Empathie statt Effizienz ist gefragt, wenn den Toten und den Trauernden ein menschlicher Umgang zuteilwerden soll.

Ein Ort wie das Trostwerk-Abschiedshaus, das mitten in einem beliebten und belebten Stadtteil Hamburgs alles unter einem Dach vereint (Beratung, Trauerbegleitung, Totenversorgung, Totenaufbewahrung, Abschieds- und Trauerfeierräume) und dem Tod lebensfreundlich begegnet, setzt ein klares Zeichen gegen „Entsorgungsbestattung“.


Gesellschaftliche Bankrotterklärung

Vielleicht lässt sich all das außerdem am Umgang mit Sozialbestattungen messen. Auch finanziell Schwachgestellten wird das Recht auf einen „würdigen“ Abschied grundsätzlich vom Staat zugestanden. Ein Blick auf die Vergütungssätze, die in Hamburg für eine Sozialbestattung gezahlt werden, zeigt deutlich, dass dieser „würdige“ Abschied nur gelingen kann, wenn Bestatter*innen, Florist*innen und Redner*innen eine extreme Solidarität an den Tag legen - denn niemand kann bei diesen Preisen kostendeckend arbeiten! Stattdessen sind Selbstausbeutung, minderwertige oder ehrenamtliche Arbeit gefragt, was sich kleinere Unternehmen nur bedingt leisten können.

Wir dürfen also alle selbstkritischer werden, anstatt pauschal von „Abzocke“ oder gar einer „Bestattungsmafia“ zu sprechen. Wir dürfen fragen und hinterfragen, was mit unseren Toten zwischen Sterbebett und Beisetzung passiert. Woraus sich die Kosten auf diesem Weg zusammensetzen und was sich darin spiegelt.

Letztlich gibt es zu allen Bedürfnissen entsprechende Angebote. Bestattungen können teuer und gleichzeitig preiswert im Sinne von „ihres Preises wert“ sein – dank Zeit, Raum und Mensch.


A. Rosenfeld / B. Strang

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