Abschiednehmen in Corona-Zeiten, oder auch: „trostwerk unplugged“… – wie kann das gehen?

Auch jetzt sind wir natürlich jederzeit für Sie telefonisch erreichbar und mit Beratungsgesprächen, Abschiednahmen und Beisetzungen auf allen Friedhöfen Hamburgs für Sie da! 

Und selbstverständlich sorgen wir auch weiterhin in gewohnter Sorgfalt und Wertschätzung für Ihre Verstorbenen.

Dennoch stellt sich natürlich die Frage, wie Menschen in diesen Zeiten Abschied von ihren Toten nehmen können?
Denn größere Versammlungen und damit das im Trauerprozess so wichtige Erleben von Gemeinschaft und Nähe sind in vertrauter Form im Moment nicht möglich. Sicherlich werden wir uns daran gewöhnen, einander über Blicke, Worte aus dem Abstand gesprochen und digitale Kommunikation zu umarmen und zu wärmen, dennoch wird es anders sein. Für die muslimische Bevölkerung umso mehr: spielen doch hier die rituellen Waschungen eine zentrale Rolle im Abschiedsgeschehen, auch die sind auf den Friedhöfen derzeit nicht erlaubt. 

Was nun? Das fragen wir uns alle und beginnen kreativ zu werden. 

Abschiede am offenen Sarg bleiben bei uns möglich, nur eben im kleinen Rahmen: Bis zu fünf Personen können sich auch weiterhin bei Einhaltung der gebotenen Verhaltensregeln von ihren Toten bei uns verabschieden. Auch machen wir auf Wunsch gerne Fotos Ihrer Verstorbenen für Familienangehörige und Freund*innen, die nicht dabei sein können. Was sicherlich nicht dasselbe ist wie eine „echte“ Begegnung, manche aber doch beruhigen mag. 

Trauerfeiern sind hingegen derzeit nicht mehr möglich, Beisetzungen im kleinen Kreis aber durchaus. Zumal der Frühling begonnen hat - die Temperaturen werden milder, die ersten Blütendüfte erfüllen die Luft und die Vögel zwitschern. Sich da in einem großen Kreis um ein mit vielen schönen Blumen geschmücktes Grab herum zu stellen, vielleicht nicht viel Musik, aber doch Worten zu lauschen, die weniger umfänglich sein mögen und doch zu berühren vermögen, das bleibt. 

 

Sicherlich, die Gemeinschaft und das gemeinsame Tun sind dabei stark begrenzt. Umso wichtiger, andere Prozesse anzustoßen. 

  • Etwa nun besonders viel Energie darein zu legen, den Trauerdruck so persönlich wie nur möglich zu gestalten. Damit schenken Sie allen, die nun an Abschiedszeremonien nicht teilnehmen können, ein tröstliches Erinnerungsstück. Zumal dies dazu beitragen kann, dass ein Gespräch über die Verstorbenen einsetzt,  das allen gut tut! 

  • Sie könnten sogar aktiv darum bitten, Ihnen in Emails, Briefen oder Telefonaten von Ihren Toten zu erzählen: „Was habt Ihr mit ihm/ihr erlebt? Was erinnert Ihr?“ Es kann viel Trost spenden, solche Mitteilungen zu lesen oder Geschichten zu hören. Aber auch den Erzählenden mag das in ihrer Trauer helfen.

  • Oder Sie verabreden sich, zu einer bestimmten Stunde eine Kerze anzuzünden, vielleicht die Trauerkarte mit Bild aufzustellen, ein bestimmtes Musikstück dabei zu hören und so jemandes für einen festgelegten Zeitraum eben doch gemeinsam zu gedenken – wie in einer Art Gedenkminute.

  • Vor allem aber können Sie die im Moment entfallende Trauerfeier natürlich nachholen und zu einem späteren Zeitpunkt in eine Gedenkfeier umwandeln. Etwa am Geburtstag der Verstorbenen oder auch zu einem anderen Datum alle einladen, die Sie auch jetzt hätten um sich versammeln wollen. Vorstellbar ist dabei, die Erzählungen und Geschichten, die Sie erreicht haben, und vieles, was bis dahin im Abschiedsprozess eine Rolle gespielt hat, darin einzubinden. Dafür stehen wir dann natürlich mit Rat und Tat gern zu Ihrer Verfügung!

Kurzum, der Möglichkeiten gibt es viele, es braucht nur ein Nachdenken, ein Ausprobieren. Und wäre es nicht schön, wenn eintreffen würde, was Friedrich Hölderlin in seinem Gedicht „Patmos“ schrieb: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ In dieser Zuversicht wünschen wir Ihnen, gesund zu bleiben und all den Schwierigkeiten, die für Sie entstehen, weniger mit Angst, als mit Vertrauen und Neugier auf neue Wege zu begegnen. 

Herzlich

Ihre trostwerker*innen

 

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