PatientInnenverfügung, Sterbehilfe – ja, nein, jein?


Ein schwieriges Thema: Was lässt sich wirklich regeln, wenn es ans Sterben geht? Maschinen ein oder aus, künstliche Ernährung ja oder nein, aber verhungern oder ersticken lassen sind auch keine schönen Vorstellungen.

Dann lieber bei entsprechender Diagnose gleich vorausplanen – wenn es die denn rechtzeitig gibt! Ab in die Schweiz oder irgendwann mit Dignitate auch in Deutschland – die Tod bringende und in der eigenen Vorstellung erlösende Pille einnehmen, medizinisch und vielleicht sogar seelsorgerlich begleitet?

Was spricht dagegen, dass man dieses grausame Vergehen seiner Selbst abkürzen möchte? Ist doch eine Zumutung für die Nahestehenden. Aber werden diese gefragt?

Kinder erzählen, wie ihre Eltern durch das Vergehen weicher und zugänglicher werden, wie in eingefahrene, schwierige Beziehungen Dynamik kommt – statt Dominanz liebevolle Begegnung am Ende erfahrbar wird. Friedvoller Abschied, der vorher kaum denkbar war. Zeit haben.

Sicherlich: hart erstritten und mit großen Opfern auf allen Seiten ermöglicht. Selten freiwillig. Beziehungen werden intensiver oder/und Beziehungen gehen an Überforderung zugrunde – beides ist möglich. Wir wissen es nicht, können nur im Einzelfall sehen und prüfen. Aber wer tut das dann? Da müssen wir uns auf andere verlassen können, die uns kennen.

Und im Ăśbrigen: wer sagt denn, dass Sterben leicht ist? Mit Schrei, Stress und mĂĽtterlichen Wehen kommen wir auf die Erde. Wieso denken wir, dass der Weg in die andere Richtung weniger anstrengend, schmerzreich und gefahrvoll sein sollte?

Was nicht heißt, dass PatientInnenverfügung und Sterbehilfe in jedem Fall verwerflich sind. Denn immerhin ist die moderne Medizin imstande, über große Zeiträume das Herz schlagen zu lassen. Zeiträume, die irgendwann nicht mehr positiv erlebt oder im Rückblick erfahren werden. Und dann addiert sich der Herzschlag tatsächlich langsam zu einer gehörigen und immer unerträglicher werdenden Tracht Prügel, wird gar zum Folterinstrument.


Mehr zu dem Thema „Autonomie am Lebensende“ und Patientenverfügung am Donnerstag, dem 28.Februar 2008, als trostwerk-Veranstaltung. Referentin ist die Soziologin Dr. Stefanie Graefe.

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