In der Großstadt scheuen viele vor dem Anblick ihrer Toten zurück, als ob sie keine Menschen mehr wären. Entsprechend wird häufig unwissend in Kauf genommen, dass die Toten unwürdig behandelt werden. Allzu schnell landen sie in Kellern oder Kühlräumen, werden unsanft transportiert und – wenn überhaupt – hastig angekleidet.


Dabei ermutigen alle, die sich mit Abschiedsdingen auskennen, sich Zeit mit den Toten zu nehmen, die Sinne einzubeziehen und dazu am besten die Toten noch einmal nach Hause oder in eine vertraute Umgebung zu holen. Denn wie kann mensch anders erfassen, dass ein Mensch tot ist? Wenn er nicht die Kälte fühlt oder die Haut in Veränderung sieht? Den Tod eines Menschen ohne die sinnliche Erfahrung zu begreifen, ist schwer und kann manchmal Jahre dauern. Das Begreifen von Tod bleibt eine Grundvoraussetzung, um weitere Schritte durch die Trauer gehen zu können. Daher kann es sehr hilfreich sein, diese besondere Zeit zwischen Tod und Bestattung für einen bewussten Abschied zu nutzen.


Zudem bringt der Anblick der Toten eine Vielfalt an Gefühlen an die Oberfläche, für die am Totenbett in vertrauten Räumen am ehesten Platz ist. Sie in Gesprächen mit den Toten oder auch mit anderen Abschiednehmenden zum Ausdruck zu bringen, bewusst letzte Dinge für die Toten zu tun oder „letzte Male“ gemeinsam oder alleine zu zelebrieren – daraus gehen Abschiednehmende oft sehr gestärkt und aufrecht hervor.


trostwerk bringt daher gerne die Toten nach Hause oder an einen vertrauten Ort. Die Hamburger Gesetzgebung räumt dafür 36 Stunden nach Todeseintritt ein, die auf Beantragung meistens problemlos auf drei Tage verlängert werden kann. Angehörige können ihre Toten dann gemeinsam mit trostwerk oder auch alleine versorgen und ankleiden. Oft wirkt dieses Tun heilsam für die eigene Seele. Andererseits überlassen viele Menschen bereits zu Lebzeiten die intime Pflege ihrer Alten und Sterbenden externen Kräften wie ÄrztInnen oder PflegerInnen. Es kann also durchaus stimmig sein, die Pflege der Toten ebenfalls einer externen Kraft, in diesem Fall dem/der BestatterIn anzuvertrauen. Für einige erweist es sich als gut, bei der Versorgung dabei zu sein, andere wollen diesem Ritual nicht beiwohnen. Abgestufte Möglichkeiten gibt es viele.


Nach der Versorgung ist dann Zeit für das Abschiednehmen in vertrauter Umgebung, wozu auch FreundInnen, Bekannte und NachbarInnen eingeladen werden können.

Menschen entwickeln zu alldem sehr unterschiedliche Gefühle und gehen dabei vielfältige Wege. Es gibt keinen allein richtigen Weg durch die Trauer – es ist nur immer wichtig, eine wirkliche Wahl gehabt zu haben.


„Die Würde des Menschen ist unantastbar.
“ Gilt das auch für den toten Menschen?

trostwerk-Newsletter 10/2010

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